«Limmi»-Ärzte vernetzen sich virtuell, um Krebstherapien zu erarbeiten

von Bettina Hamilton-Irvine — az Limmattaler Zeitung Zuletzt aktualisiert am 4.12.2012 um 12:59 Uhr


Nebst dem Triemli ist das «Limmi» das erste Spital im Kanton, in dem Therapiekonzepte für Krebspatienten mit Spezialisten über ybermedical® Plattform diskutiert

werden können. Die dezentrale Zusammenarbeit steigert die Qualität und spart Zeit. Die Operation sei nicht unbedenklich, findet Chirurg Urs Zingg. Man müsse berücksichtigen, dass die Patientin 82 Jahre alt sei. Heidi Dazzi, Leiterin Onkologie, möchte wissen, was Chirurg Markus Weber darüber denkt. «Ich stimme Herrn Zingg zu», sagt dieser. Neben ihm nickt Gynäkologin Stephanie von Orelli.

 

Per Webkamera aus Schlieren: Das Ganze könnte eine alltägliche ärztliche Besprechung einer Krebspatientin sein. Bloss befinden sich Weber und von Orelli sowie eine Handvoll weitere Ärzte im Stadtzürcher Triemlispital, während Dazzi, Zingg und Radiologin Silke Potthast im Spital Limmattal in Schlieren sind. Sie werden über eine Webkamera in die Besprechungs-runde im «Triemli» zugeschaltet. An die Wand projiziert werden zudem je nach Bedarf Ultraschallbilder, Computertomografien und mikroskopische Bilder des Tumorgewebes. Reihum ergreifen Spezialistinnen und Spezialisten aus den Fachbereichen Pathologie, Chirurgie, Radiologie, Onkologie und Gynäkologie das Wort und präsentieren Resultate oder kommentieren Vorschläge.

Tumorboards sind Pflicht im Kanton

Dass Ärzte verschiedener Spitälern im Kanton Therapien für Krebspatienten gemeinsam erarbeiten, ist nichts Neues. Diese sogenannten Tumorboards werden von der Zürcher Gesundheitsdirektion sogar vorgeschrieben und schon seit Jahren durchgeführt. Sie dienen nicht nur der Steigerung der Qualität, sondern sind auch unverzichtbar, weil nicht alle Spitäler sämtliche Spezialisten selber vor Ort haben. Neu ist aber, dass die Ärzte die interdisziplinären Besprechungen virtuell durchführen können.

Effizienz steigt, Kosten sinken

Das «Limmi» ist bei dieser Neuerung an vorderster Front dabei. Nebst dem Stadtspital Triemli ist es das erste Spital im Kanton, bei dem die nötigen Systeme dafür bereits installiert sind. Seit einigen Wochen müssen die Limmattaler Ärztinnen und Ärzte für die wöchentliche Tumorbesprechung nun also nicht mehr ins Triemlispital fahren. «Heute reisen nicht mehr Patienten oder Ärzte, sondern Bilder übers Internet», sagt Andreas Zollinger, Medizinischer Direktor im «Triemli». Das hat für alle Beteiligten grosse Vorteile: «Tumorboards können neu in kürzeren Intervallen durchgeführt werden, die Effizienz steigt, die Kosten sinken.» Zudem profitiere auch die Aus- und Weiterbildung davon.

Für Spital Limmattal «sonnenklar»

Das hat auch Nanda Samini, Leiterin Management Support des Spitals Limmattal, überzeugt. Es sei «sonnenklar» gewesen, dass man diese Möglichkeit nutzen wolle. «Von den Ressourcen her können wir wahnsinnig davon profitieren», sagt Samini. «Früher mussten wir ganze Delegationen in andere Spitäler schicken.»

Begeistert ist auch die Zürcher Stadträtin Claudia Nielsen, die sich gestern im Triemli ein Bild von der virtuellen Zusammenarbeit machte. Es sei schön zu sehen, wie der Kampf gegen den Tumor zu einem gemeinsamen Kampf werde, sagte Nielsen. «Es ist ein gutes Beispiel, wie eine relativ einfache Technik dem Wohl der Menschheit dient.»