Diagnose auf einen Click

VON ANNIKA BANGERTER, 28.02.2016


Das elektronische Patientendossier eHealth kommt nur langsam voran. Das Unispital überrascht mit einem eigenen Weg.

 

Vor ein paar Tagen sprach am diesjährigen World Mobile Congress in Barcelona Facebook-Chef Mark Zuckerberg über künftige virtuelle Realitäten. Und die Fachwelt diskutierte die nächste Generation von Smartphones, Tablets und ihren Gadgets. Was die Wenigsten wissen: An der grössten und wichtigsten Messe der Mobilfunkbranche präsentierte sich auch schon das Universitätsspital Basel (USB). Im vergangenen Jahr zeigte es dort, wie iPads und iPhones im Gesundheitssystem genutzt werden können.

 

mHealth nennt sich der Einsatz von mobilen Geräten im medizinischen Bereich. Das Basler Unispital will hierfür in der Schweiz eine Leaderrolle übernehmen. 2013 hat es deshalb ein Vorprojekt gestartet, das bis heute läuft: 1600 Tablets und Smartphones sind im Umlauf. Am Vorprojekt sind zwei externe Hals-Nasen-Ohren-Ärzte eingebunden, alle anderen mobilen Geräte werden intern genutzt.

 

Ein Beispiel für deren Einsatz: Ein Chirurg operiert Frau Müller und fährt anschliessend für eine Woche an einen Kongress ins Ausland. Zwei Tage später möchte sein Kollege den gesundheitlichen Zustand von Frau Müller besprechen. Hat die Patientin vorgängig eingewilligt, kann der Chirurg über sein Smartphone oder sein Tablet auf die Laborwerte von Frau Müller zugreifen – jederzeit und überall auf der Welt. Möglich macht dies eine App, die elektronische Krankengeschichten darstellt.

 

Im Rahmen von mHealth testet das Unispital auch den Einsatz von Videokonferenzen. Liegt das schriftliche Einverständnis des Patienten vor, können Ärzte auf diesem Weg den Fall besprechen. Bei solch einer Videokonferenz haben sie die Möglichkeit, die Desktop-Ansichten zu teilen. Externe Ärzte erhalten einen Überblick der Laborwerte oder Befunde, ohne dass sie diese erhalten. «Wir wollen die Datenhoheit behalten, das ist zentral für uns», sagt Axel Ernst, Business Analyst am Basler Unispital. Zwei Drittel von den 1600 mobilen Geräten stellt das Unispital zur Verfügung; ein Drittel gehört den Mitarbeitern privat.

 

Ein Sicherheitsproblem stelle das nicht dar, sagt Axel Ernst: «Bei allen Geräten trennen wir den geschäftlichen und den privaten Bereich ab. Im Falle eines Verlusts oder eines Diebstahls können wir extern auf die mobilen Geräte zugreifen und alle Inhalte unwiderruflich löschen.» Der Business Analyst weiss: Patientendaten sind hochsensibel. Deshalb sind die Daten in-house gespeichert und nicht in einer Cloud. «Die Sicherheit muss an oberster Stelle stehen. Ist sie nicht gewährleistet, müssen andere Wege gefunden werden», sagt Ernst. Deshalb gebe es im Bereich von eHealth, der elektronischen Verarbeitung von Patientendaten, keine raschen Lösungen.

 

Das bestätigt ein Blick auf das kantonale eHealth-Projekt in Basel. Was Anfang 2014 innert Jahresfrist angekündigt wurde, soll nun lanciert werden: der Pilotversuch des elektronischen Patientendossiers. Wie der Leiter der kantonalen Gesundheitsvorsorge Peter Indra auf Anfrage bekannt gibt, plant Basel, das Pilotprojekt in der zweiten Hälfte 2016 einzuführen. Ob und inwiefern das mHealth-Projekt vom Unispital in die kantonale eHealth-Strategie einfliesst, ist noch offen.